Hygiene-Tipps für den Alltag.

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Fragen und Antworten.

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Verwendung von Desinfektionsmitteln für Kinder

In Ausbruchssituationen werden manchmal vom Gesundheitsamt vorsorglich Maßnahmen zur Desinfektion eingeleitet. Im Einzelnen waren dies nach einer HUS-Erkrankung in einer Schule beispielsweise:
– Desinfektion der Schultoiletten,
– Desinfektion sämtlicher Türgriffe der Grundschule,
– Installation von Desinfektionsmittelspendern auf den Toiletten.

Welche Händedesinfektionsmittel sind für:
a) Kinder unter drei Jahren
b) Kinder zwischen drei und sechs Jahren
c) Schulkinder ab sechs Jahren als Hortkinder
von Seiten der zuständigen Stellen zugelassen?

Wir haben an unserer Kindertagesstätte Kinder, die unter den obigen Buchstaben a, b und c fallen. In unserem Hause wird ein viruzides Händedesinfektionsmittel für das Personal eingesetzt. Ist eine Zulassung für Kinder notwendig?

Sowohl bei der allgemeinen Infektionsprophylaxe, wie sie Bestandteil unseres persönlichen Hygieneverhaltens sein sollte, als auch in Ausbruchssituationen oder Epidemiezeiten, spielt die Händehygiene unter allen Präventionsmaßnahmen die wichtigste Rolle, weil Infektionen vor allem über die Hände weitergegeben werden. Dies gilt in gewissem Maße auch für Infektionen, bei denen die Krankheitserreger über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen werden, die beim Sprechen, Husten oder Niesen gebildet werden (Tröpfcheninfektion): Nicht nur, wenn man in die Hand niest oder schnäuzt, sondern auch, wenn man Gegenstände berührt, die durch Tröpfchen kontaminiert wurden, können über die Hände Krankheitserreger weitergegeben werden.

Als Maßnahmen zur Händehygiene kommt in Kindertagesstätten oder Schulen vor allem das Hände-waschen in Betracht. In bestimmten Situationen ist aber auch die Händedesinfektion sinnvoll. Richtig durchgeführtes Händewaschen reduziert die Zahl von Mikroorganismen und Viren auf den Händen. Die Wirkung der Händedesinfektion ist jedoch 10- bis 100-mal stärker.

Für die Händehygiene gilt nicht nur in Kindertagesstätten der alte Satz: „Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.“ Richtiges Händewaschen – mit fließendem, warmem Wasser, Flüssigseife und eigenem Handtuch – muss aber gelernt und geübt werden. Wie dies in spielerischer Form geschehen kann, vermitteln einschlägige Broschüren [1, 2].
In Ausbruchssituationen oder wenn Kinder immer wieder an saisonalen Infektionen (Grippe bzw. grippale Infekte, Durchfallerkrankungen z. B. durch Noroviren) erkranken, sollte das Händewaschen ggf. durch Händedesinfektion ergänzt werden (auf Anweisung durch das Gesundheitsamt). Nach dem Händewaschen und abtrocknen, ggf. auch nach dem Niesen oder Schnäuzen, werden die Hände durch Verreiben eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels desinfiziert.
Die arzneimittelrechtliche Zulassung von Händedesinfektionsmitteln erfolgt in der Regel für Erwachsene. Es gibt also keine speziell für Kinder zugelassenen Händedesinfektionsmittel für Kinder. Dies bedeutet aber nicht, dass Kinder ihre Hände nicht desinfizieren dürfen oder sollen. Schulkinder können Hände desinfizieren erlernen [3], sollten die Händedesinfektion zunächst aber unter Aufsicht durchführen. Wichtig ist, dass sich die Kinder nicht mit frisch benetzten Fingern in die Augen fassen.

Bei kleineren Kindern ist es besser, wenn die Hände durch einen Erwachsenen desinfiziert werden, indem dieser die Hände des Kindes zwischen seine eigenen Hände nimmt, das Präparat verreibt und die Einwirkzeit (in der Regel 30 Sekunden) abwartet.

Alkoholische Desinfektionsmittel enthalten Pflegesubstanzen und sind für die intakte Haut unschädlich. Alkohol wird auch nicht über die Haut resorbiert, so dass systemische Wirkungen des Alkohols nicht zu befürchten sind.
Zur Auswahl des geeigneten Präparates wird die Verwendung eines Händedesinfektionsmittels empfohlen, das in der aktuellen Liste des VAH [4] aufgeführt ist. Auf das notwendige Wirkspektrum in Abhängigkeit von den Krankheitserregern ist zu achten. Standardpräparate der Händedesinfektionsmittel sind in der Regel zusätzlich zur Wirksamkeit gegen Bakterien auch begrenzt viruzid wirksam, das heißt, sie wirken auch gegen behüllte Viren, wie z.B. das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV), das insbesondere im Säuglings- und Kleinkindalter häufig Atemwegsinfektionen auslöst, oder das Influenza (Grippe)-Virus. Händedesinfektionsmittel mit dem Wirkspektrum begrenzt viruzid PLUS sind zusätzlich zur Wirksamkeit gegen behüllte Viren auch gegen die unbehüllten Viren Noro-, Rota- und Adenovirus wirksam. Daher können sie insbesondere bei erhöhter Noro- und Rotavirusaktivität, z.B. im Frühjahr, eingesetzt werden. Noroviren sind häufig Auslöser von Magen-Darm-Infektionen.

Viruzide Händedesinfektionsmittel, deren Wirkspektrum zusätzlich die unbehüllten Papillom- und Polyomaviren einschließt, können eher einmal zu Nebeneffekten wie trockener Haut führen und sind für die Routine nicht notwendig.

Literatur
1. Gebel J, Dietlein E, Hornei B, Ilschner C, Rotter M, Exner M. Händewaschen – bringt das was? mhp-Verlag, Wiesbaden. 2003.
2. Gebel J, Ilschner C. Die Bakterienrutsche. mhp-Verlag, Wiesbaden. 2003.
3. Simon A, Gebel J, Ilschner C, Exner M. Infektionen? Nein, danke! Wir tun was dagegen! Infekti-onsprävention bei chronisch kranken Kindern im Krankenhaus. 3. Auflage. Bonn, 2017.  Zum Download.
4. Verbund für Angewandte Hygiene. Desinfektionsmittel-Liste des VAH. Wiesbaden: mhp Verlag GmbH. Stand 15.10.2018. Zur Online-Version.

Dr. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Erstveröffentlichung: Heeg P, Exner M. In: HygMed 2011; (36) 12: 501–502.
Überarbeitung mit Stand 15. März 2019
Online-Veröffentlichung: www.vah-online.de

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Desinfektion von Wickeltischen

Welche Kriterien müssen bei der Auswahl von Desinfektionsmitteln für Wickeltische in Kinderkrippen und ähnlichen Betreuungsreinrichtungen beachtet werden? Welche Standardmaßnahmen zum Infektionsschutz für Betreuer und Kinder sind wichtig?

Wickeltische können durch Fäkalien, Sekrete aus den Atemwegen, Speichel, Hautschuppen etc. und darin befindliche Pathogene kontaminiert werden. In Gemeinschaftseinrichtungen stellen Wickeltische zur Nutzung für viele Kinder einen Brennpunkt für mögliche Kreuz-Kontaminationen und eine Infektionsgefahr für Kinder und Betreuer dar. Kleinkindliches Verhalten (z.B. aufgrund der „Hand-Mund-Einheit“) bedeutet ein zusätzliches Risiko für den Keimeintrag bzw. die Übertragung von Krankheitserregern bei Krippenkindern. Die hygienische Aufbereitung von Wickeltischen hat daher in diesen Einrichtungen eine besonders hohe Relevanz. Ziel einer Reinigung und Desinfektion ist es, Verschmutzungen zu entfernen bzw. Krankheitserreger (Pathogene) zu inaktivieren, um mögliche Kreuz-Übertragungen zu vermeiden.

Das Verfahren der Wahl ist die Scheuer-Wisch-Desinfektion, da hiermit zum einen Schmutz und Erreger mechanisch entfernt werden und zum anderen die Wirkung des Desinfektionsmittels mechanisch unterstützt wird. Für die Entscheidung, welche Desinfektionsmittel in Frage kommen, muss zunächst das Keimspektrum näher bestimmt werden. Neben (vegetativen) Bakterien und Hefen sind auch behüllte und unbehüllte Viren als Pathogene zu berücksichtigen (Tabelle 1). Da Durchfall-Erkrankungen durch unbehüllte Viren im Kindesalter eine besondere Rolle spielen und schon geringe Infektionsdosen für eine Weiterverbreitung ausreichend sind, soll der Wirkungsbereich des Desinfektionsmittels bakterizid, levurozid und viruzid sein. Die viruzide Wirkung umfasst definitionsgemäß behüllte und unbehüllte Viren. So konnte z. B. ein nicht-viruzides Desinfektionsmittel auf der Basis von quaternären Ammoniumverbindungen einen lang anhaltenden Rotavirusausbruch auf einer pädiatrischen Station im Krankenhaus nicht stoppen. Dies gelang erst durch den Einsatz eines viruziden Desinfektionsmittels [1].

Zu klären ist, welche Desinfektionsmittel viruzid sind und unter welchen Bedingungen (Konzentration, Einwirkzeit) sie anzuwenden sind, um unter Praxisbedingungen eine ausreichende Wirkung zu gewährleisten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich in der Regel die Angaben zur Viruswirksamkeit der Produkte lediglich auf Wirksamkeitstests in Suspensionsversuchen beziehen [2], die keine ausreichende Wirksamkeit in der Praxis sicherstellen. Viren sind jedoch auf Oberflächen oder Händen wesentlich schlechter zu inaktivieren als unter den Bedingungen des Suspensionstests. Bei der Durchführung einer viruziden Flächendesinfektion außerhalb von Einrichtungen der Krankenversorgung muss zudem ein einfach durchzuführendes, auch bei Anwendungsfehlern möglichst unbedenkliches, robustes und kostengünstiges Verfahren verfügbar sein. Das Ansetzen von Gebrauchslösungen aus Desinfektionsmittelkonzentrationen ist aus verschiedenen Gründen (Arbeitssicherheit, Umwelt-, vor allem Luftbelastung, korrektes Ansetzen der Lösung) nicht zu empfehlen. Weiterhin müssen toxikologische Aspekte bedacht werden, um die Exposition der Kinder und des Personals zu minimieren.

Produkte, die alle diese Kriterien erfüllen, sind gegenwärtig nicht verfügbar. In der Praxis werden derzeit viruzide Flächendesinfektionstücher oder auch viruzide Händedesinfektionsmittel zur Flächendesinfektion von Wickeltischen für die Routinedesinfektion verwendet. Für die Verwendung auf einer Wickelauflage wird bei Verwendung eines Händedesinfektionsmittels jedoch eine verlängerte Einwirkzeit von 5 Minuten empfohlen (s.u.). Obwohl dies klar außerhalb der Herstellerhinweise erfolgt, sehen wir die Anwendung von viruziden Händedesinfektionsmitteln – bis eine Auswahl gebrauchsfertiger viruzider Flächendesinfektionsmittel zur Routineanwendung zur Verfügung steht – unter folgenden Voraussetzungen als eine pragmatische Übergangslösung an:

  • Die Kompatibilität des Produkts mit der Wickelauflage sollte beim Hersteller erfragt werden.
    Die Desinfektion sollte nach jeder Benutzung im Wischverfahren mit einem Einmaltuch so durchgeführt werden, dass eine komplette Benetzung der Oberfläche gewährleistet ist.
    Wichtig ist eine gründliche Applikation mit ausreichendem Anpressdruck.
    Bei kleinen Flächen (unter etwa 2 m²) besteht keine Brand- oder Explosionsgefahr, solange sich keine offene Flamme (Kerze!) in der Nähe befindet.
    Benutzte Tücher sind unmittelbar nach Gebrauch zu entsorgen, um das Abdampfen von Inhaltsstoffen zu vermeiden.
  • Da die Anwendungsparameter von Händedesinfektionsmitteln nicht ohne weiteres von der Hautoberfläche auf andere Oberflächen übertragen werden können, wird aus Sicherheitsgründen eine Einwirkzeit von mindestens 5 Minuten (bis zum vollständigen Verdunsten des Produkts) empfohlen.
  • Ein Nachwischen nach jedem Desinfektionsvorgang kann entfallen.
    Dennoch wird empfohlen, z. B. wöchentlich eine zusätzliche Reinigung durchzuführen, um zu vermeiden, dass durch die in Händedesinfektionsmitteln enthaltenen Rückfetter auf der Oberfläche des Wickelpolsters zum Aufbau eines Belags führen, der die Desinfektionswirkung beeinträchtigen könnte.

Sobald der praxisnahe Test im Rahmen der Viruzidieprüfung etabliert ist und die entsprechenden Präparate zur Verfügung stehen, muss die Frage, welche Ratschläge man den Anwendern geben kann, neu diskutiert werden. Unabhängig davon gelten folgende Maßnahmen zur Standardhygiene:

  • Auswahl einer desinfektionsmittelbeständigen Wickelunterlage
  • Verwendung von Einmalunterlagen (gezielte Desinfektion bei Verschmutzung ansonsten mindestens arbeitstäglich)
  • Händedesinfektion nach jedem Wickeln (Wirksamkeitsspektrum wie bei der Fläche)
  • Wandspender für Desinfektionsmittel und Flüssigseife (Wartung durch den Hausmeister)
  • Nutzung von Einmalhandschuhen und eventuell einer Schürze
  • Separater, geruchsdichter und geeigneter Abfallbehälter für die Wickelabfälle, der für die Säuglinge und Kleinkinder nicht zugänglich ist
  • Zeitnahe Leerung und desinfizierende Reinigung des Windeleimers
  • Impfung gemäß den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO.

In der VAH-Liste sind derzeit begrenzt viruzide und viruzide Produkte gekennzeichnet, sofern die Hersteller hierfür ihr Einverständnis gegeben haben. Die Angaben beruhen auf den Wirksamkeitstests nach den derzeit verwendeten Leitlinien der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Desinfektionsmittel-Liste des Robert Koch-Instituts listet Verfahren, die für den Seuchenfall getestet werden und mit wesentlich höheren Konzentrationen verwendet werden.

Literatur
1. Rabenau HF und Schwebke I: Hygiene und Desinfektion zur Bekämpfung von Viren in „Medizinische Virologie“ (2) ed: Doerr, Gerlich; Thieme-Verlag, 2010.

2. Gemeinsame Mitteilung des Fachausschusses Virusdesinfektion der DVV und der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH. Praxisnahe Prüfung der viruziden Wirksamkeit von Flächendesinfektionsmitteln zur Viruswirksamkeit im praxisnahen Versuch: Reicht der Suspensionstest zur Gewährleistung einer ausreichenden Viruswirksamkeit? HygMed 2013; 38(12):545–547. HM_2013_12_Viruzidie_vah.pdf

Weiterführende Literatur zur Viruswirksamkeit von Desinfektionsmitteln, siehe auch: www.dvv-ev.de, www.rki.de, www. vah-online.de

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch (korresp.Autor)
Priv.-Doz. Dr. Maren Eggers, Stuttgart
Priv.-Doz. Dr. med. Nils Olaf Hübner, M.Sc., Greifswald

HygMed 2015; (40) 5: 205–206

Bettwäsche in der Kindertagesstätte richtig aufbereiten

Zur Reinigung unserer Decken- und Kissenbezüge verwenden wir speziellen flüssigen antibakteriell wirksamen Hygiene-Wäschespüler. Ist diese Vorgehensweise für eine Kindertagesstätte aus hygienischer Sicht ausreichend?

Um eine definierte oder gezielte, routinemäßige Desinfektion bei der Wäscheaufbereitung zu erreichen, gibt es Verfahren, die in der Liste des VAH (Verbund für Angewandte Hygiene) aufgeführt sind. Bei der Anwendung der Verfahren muss hinsichtlich der Wirksamkeit sichergestellt sein, dass die relevanten Parameter (insbesondere Temperatur, Temperatur-Haltezeit, Wirkstoffkonzentration und das Flottenverhältnis) eingehalten werden.

Wenn eine desinfizierende Wäscheaufbereitung nicht notwendig ist, ist die Anwendung von Verfahren ab 60 °C unter Verwendung eines pulverförmigen Vollwaschmittels in der Regel ausreichend.

Die Notwendigkeit des Einsatzes von Hygienespülern ist bisher nicht belegt. Wenn eine desinfizierende Aufbereitung gewünscht wird oder durchgeführt werden muss, kann diese nicht durch die Verwendung von Hygienespülern erreicht werden.

Literaturhinweis
Beispielsweise der Hygieneleitfaden für Kindertagesstätten, Baden-Württemberg, enthält weitere Erläuterungen, in welchen Fällen eine desinfizierende Aufbereitung der Bettwäsche in Kitas notwendig ist und wie häufig sie gewaschen werden soll (Kapitel 2.5). Zum Download des Leitfadens.

Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchen-Gladbach
Zuletzt aktualisiert: März 2019

Desinfektion von Bällebädern

Anlassbezogen und generell sind wir als infektionshygienische Überwachungsbehörde für Kindergemeinschaftseinrichtungen mit der Frage der Desinfektion von Spielzeug, hier insbesondere von Bällebädern, konfrontiert. Der aktuelle Kontext war ein Norovirusausbruch, denkbar wären beispielsweise auch Rota- oder Adenoviren, die zu entsprechenden Krankheitsausbrüchen führen können. Nach unserer Recherche wird in der Einrichtung von einem Dienstleister mittels des Reinigungsgeräts "Ballreinigungssystem Typ BBW-2000" eine Reinigung und so deklarierte Desinfektion der Bälle durchgeführt. Als Desinfektionsmittel wird SUMA TOX D4 verwendet. Dies sei nach holländischem Recht als Desinfektionsmittel zugelassen.
In der Gebrauchsanweisung des Geräts gehen die Begriffe "Reinigung" und "Desinfektion" durcheinander. Das Mittel SUMA TOX D4 wird vom Gerätehersteller als Desinfektionsmittel angegeben. Das Sicherheitsdatenblatt des Mittels verweist auf holländisches Recht. Die Konzentration oder Einwirkzeit wird ebenso wenig angegeben, wie die Frage, wie das Gerät selbst aufzubereiten ist, um eine Verbreitung von Krankheitserregern zu verhüten.

Ich bitte Sie um Ihre Beurteilung der Situation und Antwort auf die Frage, wie Bällebäder in Kindergemeinschaftseinrichtungen sachgerecht zu desinfizieren sind.

Wie der Fragesteller zutreffend darstellt, beinhaltet der Einsatz von Bällebädern in Kindergemeinschaftseinrichtungen (wie anderes Spielzeug auch) das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, betrifft dies virale Erreger von übertragbaren Erkrankungen des Gastrointestinal- und des Respirationstrakts. Erforderlich ist daher ein Verfahren, das die Inaktivierung von Viren beinhaltet.  Das Verfahren muss demnach mindestens das Wirkungsspektrum „begrenzt viruzid PLUS“  abdecken. Verfahrenstechnisch stellen die komplette Benetzung der Bälle und die Entfernung von Rückständen des Desinfektionsmittels (ebenso wie des Reinigungsmittels)  ein Problem dar. Zudem ist zu bedenken, dass die Desinfektion von Personen ohne eine spezielle Ausbildung vorgenommen wird. Ein besonderes Augenmerk ist daher auf den Personenschutz (Persönliche Schutzausrüstung beim Kontakt mit Desinfektionslösung) zu richten.
Die genannten Voraussetzungen werden von dem Ballreinigungssystem Typ BBW-2000 nicht erfüllt. Die Lektüre der Gebrauchsanweisung für die Ballreinigungsmaschine lässt erhebliche Zweifel an der Effektivität und Sicherheit des Verfahrens zu. Das empfohlene Desinfektions- (und Reinigungs-)mittel Suma Tox D4 verfügt nicht über eine VAH-Zertifizierung. Um die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern, soll aber auf ein Produkt zurückgegriffen werden, dessen Wirksamkeit entsprechend nationalen oder europäischen Vorgaben (Prüfnormen) erfolgreich geprüft wurde.

Grundsätzlich sind mehrere Möglichkeiten denkbar:

1. Wischdesinfektion
2. Eintauchdesinfektion, beides unter Verwendung eines Flächendesinfektionsmittels
3. Maschinelle Desinfektion in einem geschlossenen System

Zu 1.: Bei der Wischdesinfektion ist es schwierig, die komplette Benetzung der Bälle zu gewährleisten. Alkoholische Desinfektionsmittel scheiden aus Gründen der Arbeitssicherheit aus. Bei Anwendung wässriger Lösungen ist die Entfernung von Desinfektionsmittelrückständen notwendig, was noch einmal den gleichen Arbeitsaufwand bedeutet.
Zu 2.: Um ein manuelles Wenden der Bälle in einer mit Desinfektionslösung gefüllten Wanne zu vermeiden, müssen die Bälle mit Hilfe eines Netzes, das an einem Metallrahmen befestigt ist, unter der Flüssigkeitsoberfläche gehalten werden; der Vorgang muss für die Nachspülphase wiederholt werden. Die unter Umständen große Oberfläche der Desinfektionslösung stellt wiederum ein zusätzliches Problem für die Arbeitssicherheit dar.
Zu 3.: Zur maschinellen Desinfektion eignen sich möglicherweise desinfizierende Waschverfahren. Falls die Bälle soweit temperaturbeständig sind bei 60 °C, ansonsten bei 40 °C mit einem bei diesen Temperaturen geprüften Wäschedesinfektionsmittel (VAH-Liste). Für größere Volumina an Waschgut (Bällen) können diskontinuierlich arbeitende, gewerbliche Maschinen eingesetzt werden. Das Vorgehen hat den Vorteil der gleichzeitigen Reinigung und die Einhaltung des Arbeitsschutzes.

Korrespondierender Autor
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Desinfektionsmittel-Kommission im VAH,
Vorabveröffentlichung (HygMed 2017; (1-2))

Desinfektionsmittel-Spender im Klassenzimmer

Sind Desinfektionsmittel-Spender im Klassenzimmer einer Grundschule sinnvoll?

Gerade im Hinblick auf die Influenza ist davon auszugehen, dass korrektes Händewaschen an einem gut ausgestatteten Handwaschplatz (Flüssigseife, Einmalhandtücher, Einhebelmischbatterien bzw. berührungslose Armaturen) die beste Möglichkeit ist, einer Verbreitung Einhalt zu gebieten.

Auch andere präventive Maßnahmen wie z.B. das Husten und Niesen in den Oberarm (oder in ein Einmaltaschentuch), die Verwendung von Einmaltaschentüchern und deren direkte Entsorgung in Mülleimern, das Öffnen von Türklinken mit dem Ellenbogen sowie regelmäßiges Lüften gehören dazu.

Es ist in jedem Fall wichtig, die Schüler sorgfältig und gezielt in das Ritual des Händewaschens (z. B. nach der Benutzung der Toilette, bei Ganztagsschulen auch vor dem Mittagessen) einzuweisen, und dieses immer wieder einzuüben und zu wiederholen (s. dazu unsere Materialien auf www.hygiene-tipps-fuer-kids.de).

Desinfektionsmittelspender im Klassenzimmer bergen verschiedene Risiken, u.a. die falsche Handhabung bzw. den Missbrauch der Spender oder die Verwendung eines nicht geeigneten Produktes mit unzureichender Wirksamkeit oder auch mit Allergisierungspotenzial. Eine kontinuierliche Überwachung der Kinder im Umgang mit Desinfektionsmitteln kann im Schulumfeld nicht sichergestellt werden.

Händedesinfektionstücher sind für den Ausnahmefall, z.B. für Ausflüge und Reisen, gedacht. Sie können durch die mechanische Wirkung des Abwischens jedoch ggf. die schützende Lipidschicht an den Händen zerstören, trocknen so die Haut aus und sollten deshalb nicht routinemäßig im Alltag verwendet werden.

Zusammenfassend ist zu empfehlen, im schulischen Umfeld eher in eine ausreichende Zahl geeigneter Handwaschplätze zu investieren als in die Installation von Desinfektionsmittel-Spendern in jedem Klassenraum.

Juni 2010

Prof. Dr. med. M. Exner
Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn

PD Dr. med. Arne Simon
Universitätsklinikum Homburg/Saar

Handwaschbecken in Klassenräumen und Schulersatzbauten

Ich bin Grundschullehrerin und unterrichte seit Schulbeginn in einem Container („Schulersatzbau“). Die Klasse verfügt über kein Waschbecken. Notwendiges Wasser wird mit einem Eimer geholt. In den letzten Jahren wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass regelmäßiges Händewaschen wichtig ist, um Krankheiten zu vermeiden! Poster wurden in der Schule aufgehängt. Wir, Lehrer, wurden dazu angehalten, immer wieder darauf hinzuweisen!

Meine Schüler waschen ihre Hände – vor und nach dem Essen! – auf einer Toilette, die von circa 100 anderen Kindern benutzt wird! Das halte ich für unzumutbar und es wäre zu prüfen, ob es den Hygienevorschriften entspricht.

Verbindliche Vorgaben mit Bezug zu Handwaschbecken in Klassenräumen existieren nicht. Es gibt jedoch eine Vielzahl an allgemeinen (Arbeitsstätten-)Richtlinien, Empfehlungen und Normen sowie nach Bundesland unterschiedliche Landesbauordnungen (BauO) für Schulen.

Handwaschbecken für SchülerInnen sind meist im Zusammenhang mit Sanitärräumen genannt. Beispielsweise sind in der Richtlinie 6000 des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) Blatt 6 „Ausstattung von und mit Sanitärräumen – Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen“ Orientierungshilfen zum Ausstattungsbedarf und der Bedarfsermittlung für Waschbecken und Toiletten im Zusammenhang mit Sanitärräumen gegeben (1). In den darin enthaltenen allgemeinen Hinweisen zu Sanitärräumen in Schulen wird aufgeführt, dass die Entfernung einer Stunden-Toilettenanlage vom letzten Klassenraum ca. 40 m sein sollte.  Es wird nach VDI als Richtwert jeweils eine Waschtischanlage pro 60 Personen empfohlen, ein Stunden-Toilettenraum pro Etage, eine Pausen-Klosettanlage für je 50 Personen und 1 Urinalanlage für 25 Nutzer (Schüler) bzw. 1 Klosettanlage für je 25 Mädchen/Damen. Für Handwaschbecken in Klassenzimmern gibt es Angaben zu Bewegungsflächen und Montagehöhen für verschiedene Altersgruppen sowie allgemeine Hygienevorschriften, jedoch keine weiteren genauen Vorgaben dazu, wann ein Waschbecken außerhalb der Sanitäreinrichtungen notwendig ist. Generell sind Abweichungen von anerkannten Regeln der Technik zulässig, müssen jedoch gut begründet und mit den evtl. verbindlichen Rechtsverordnungen der Länder abgestimmt werden.

Der Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) hat Empfehlungen zur „Planung, Ausführung und Bedienung von Sanitäranlagen in öffentlichen Gebäuden“ herausgegeben. Dort heißt es: „In Arbeitsräumen sind Waschgelegenheiten nur in Ausnahmefällen zu schaffen, wenn eine zentrale Waschgelegenheit den tatsächlichen Bedürfnissen nicht genügt (z.B. ärztliche Dienststellen, Zeichenräume und dgl.)“. Waschgelegenheiten seien ansonsten grundsätzlich in Vor- und Nebenräumen zu den Toiletten einzurichten. Für die Anzahl der Benutzer je Sanitärobjekt in Schulen werden ähnliche „Erfahrungswerte“ wie in den VDI-Richtlinien angegeben, für Waschtische allerdings 80–100 Nutzer. Es wird vom AMEV hier nicht speziell auf Schüler – im Vergleich zu erwachsenen Beschäftigten – eingegangen. Für Kita und Hort sind pro Waschtisch 40–55 Nutzer vorgesehen (2).

Die von Ihnen genannte Zahl von 100 Nutzern pro Toilette dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach in keinem Fall den geltenden örtlichen Vorschriften entsprechen und müsste dementsprechend gut begründet werden.

Für Schulen, einschließlich vorübergehend genutzter Schulersatzbauten oder Gebäude, gibt es weiterhin Empfehlungen für die Innenraumhygiene, die von der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes erarbeitet wurden (3).  Es ist  in diesem Dokument mit besonderem Hinweis auf Ganztagsbetreuung von einer „ausreichenden Anzahl“ von Waschbecken die Rede, allerdings sind die Kriterien für die Ermittlung dieser Anzahl nicht genau festgelegt.

Auch von Seiten der Unfallkasse gibt es keine zwingende Forderung für Waschbecken in Klassenräumen. Dies gilt auch für  Klassenräume in Schulersatzbauten (Container). Dort, wo Tafeln mit Kreide zum Einsatz kommen, sollte jedoch nach Empfehlung der Unfallkasse NRW ein Waschbecken mit mindestens fließendem Kaltwasseranschluss vorhanden sein (siehe Hinweise auf der Webseite www.sichere-schule.de). In Arbeitsbereichen, in denen mit Gefahrstoffen umgegangen wird, müssen ebenfalls aus hygienischen Gründen Waschbecken, Seifenspender und Einmalhandtücher vorhanden sein. Seifenstücke und Stoffhandtücher zum allgemeinen Gebrauch sind nicht zulässig. (nach RISU NRW (4) etc.). In den Empfehlungen für gesundheits- und lernfördernde Klassenzimmer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sind Handwaschbecken derzeit nicht thematisiert (5).

Das Landesgesundheitsamt Niedersachsen gibt in seiner „Arbeitshilfe zur Erstellung des Hygieneplans für die Schule auf der Grundlage des § 36 Infektionsschutzgesetz“ (6) die Empfehlung, „...dass Handwaschbecken mit Kaltwasseranschluss in Unterrichtsräumen in Grundschulen, in Schulküchen und in Sanitäreinrichtungen vorhanden sein müssen, wobei darauf zu achten ist, dass Waschlotion und keine Stückseife verwendet werden soll. Die Nutzung textiler Gemeinschaftshandtüchern ist zu vermeiden. Die Vorhaltung von Handwaschbecken in Klassenräumen weiterführender Schulen ist unter der Abwägung der Aspekte Trinkwasser- und Händehygiene zu betrachten.“ Hintergrund sind die trinkwasserhygienischen Probleme, die mit der Installation von dezentralen Waschbecken zusammenhängen können, insbesondere wenn diese nicht regelmäßig genutzt werden und Warmwasser zur Verfügung gestellt wird (Kontamination mit Legionellen). Stagnation des Wassers muss vermieden werden, und es darf keine Stichleitungen geben, die nicht regelmäßig gespült werden (gem. VDI/DVGW 6023 Austausch des Wassers in allen Leitungsteilen nach 72 Stunden (7)).  Insbesondere in den mehrwöchigen Ferien muss man sich dann auf organisatorische Maßnahmen (z.B. Anweisung an den Hausmeister) oder technische Vorkehrungen (automatische Spülvorrichtungen) verlassen.

Bei der Frage zur Ausstattung von Unterrichtsräumen mit Waschbecken ist andererseits zu bedenken, dass ein für die Schüler einfach und schnell erreichbarer, gut ausgestatteter Waschplatz die Bereitschaft für das Händewaschen bzw. die Häufigkeit des Händewaschens erhöht. Es ist daher auch im Sinne der Gesundheitserziehung sinnvoll, im Klassenzimmer direkt ein geeignetes Waschbecken zur Verfügung zu haben. Die Legionellenproblematik ist durch technische und organisatorische Maßgaben zu lösen (s.o.) und sollte kein Grund sein, Waschbecken nicht mehr zu installieren. Es können unter diesen Voraussetzungen auch Warmwasserzuleitungen installiert werden, da handwarmes Wasser die Compliance mit dem Händewaschen fördert.

Für das Händewaschen ist nach Arbeitsstättenrecht grundsätzlich fließendes Wasser bereitzustellen (8). Ein Eimer mit Wasser erfüllt diese Voraussetzung nicht.

Die Reinigungsintervalle sind nach DIN 77400 – Reinigungsdienstleistungen in Schulgebäuden – nur als Mindestanforderung und sehr allgemein geregelt (9). Es sollen individuelle Gegebenheiten (Standort, Nutzungshäufigkeit, Schulform, Außenanlagen etc.) berücksichtigt werden. Meist wird eine tägliche Reinigung der Toilettenräume empfohlen (vgl. Rahmenhygienepläne des Öffentlichen Gesundheitsdiensts). Bei der Durchführung muss beachtet werden, dass es durch Reinigungstücher zu einer Weiterverbreitung von Krankheitserregern kommen kann. Nicht ordnungsgemäß aufbereitete Reinigungstücher bzw. die Verwendung von denselben Wischtüchern für Toiletten und Waschbecken etc. müssen ausgeschlossen sein. 

Sonderfall gehäuftes Auftreten von Infektionen

Im Rahmen von Ausbrüchen oder gehäuftem Auftreten infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen, verursacht z.B. durch Noroviren oder EHEC, stellen die Armaturen der Waschbecken sowie die Türgriffe insbesondere im Sanitärbereich eine zusätzliche Infektionsquelle dar. Berührungslose Armaturen tragen in jedem Fall zur Senkung des Infektionsrisikos bei. Auf Anweisung des Gesundheitsamts ist in bestimmten Situationen die Händedesinfektion sinnvoll (s. unsere Frage/Antwort zu Desinfektionsmittelspendern im Klassenraum bzw. zur Händedesinfektion bei Kindern, www.hygiene-tipps-fuer-kids.de). Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass das Reinigungspersonal eine sachgerechte Reinigung und ggf. Desinfektion des Handwaschbeckens und der Armaturen durchführt.

Bei Verunreinigung bzw. bei einer Häufung von Infektionen können eine Flächendesinfektion und eine höhere Reinigungsfrequenz angezeigt sein. Als Orientierung für solche Fälle kann Anhang 2 - Hygieneplan H6 des „Handbuch Betriebliche Pandemieplanung" dienen (10). Für den Pandemiefall wird hier empfohlen, Toilettensitze, Deckel, Spülgriffe, Waschbecken und Umgebung (Spritzflächen), Armaturen, Außenflächen der Seifenspender und Abwurfeimer sowie die Türgriffe zweimal täglich zu desinfizieren.

In Absprache mit dem örtlichen Gesundheitsamt ist in einem schulinternen Hygieneplan festzulegen, wann, von wem und wie eine evtl. notwendige häufigere Reinigung bzw. Desinfektion durchzuführen ist, wobei auch die Zahl der Nutzer pro Handwaschbecken Berücksichtigung finden muss.

Fazit

Generell ist die Ausstattung von Klassenräumen mit Waschbecken ein viel diskutiertes Thema. Da zunehmend Whiteboards eingesetzt werden, werden mancherorts die Waschbecken komplett abgeschafft. Aus Infektionsschutzgründen und aus Gründen der Gesundheitserziehung ist es jedoch sinnvoll, einen ordnungsgemäß ausgestatteten Handwaschplatz in jedem Klassenzimmer zu behalten, besonders in Schulen, in denen das gemeinsame Frühstück im Klassenraum selber eingenommen wird bzw. das Essen im Raum generell erlaubt ist, in denen Kreidetafeln verwendet werden, bzw. mit Gefahrstoffen umgegangen wird.

Der Hygieneaspekt und die sachgerechte Ausstattung mit Waschbecken wird insbesondere im Kontext mit der Inklusion behinderter Kinder eine zusätzliche und zunehmende Bedeutung erhalten, was in den bisherigen Empfehlungen bislang nicht oder nur unzureichend berücksichtigt wurde.

Auf eine sachgemäße Reinigung und Desinfektion der Handwaschplätze sowie auf die Wartung zur Vermeidung von Wasserstagnation ist zu achten.

Vor diesem Hintergrund sollte in Abhängigkeit der Risikogruppen (z.B. Anteil von Kindern mit einer Behinderung) pro Toilette auch ein Waschbecken für maximal 40 bis 60 Kinder in (Grund-)Schulen zur Verfügung stehen. Je nach Zahl der betreuten Kinder mit Behinderung wäre diese Zahl ggf. noch nach unten zu korrigieren, wenn nicht in der Behindertentoilette das Waschbecken bereits integriert wurde. Jedoch sind Indikationen zur Händewaschung unabhängig von der Toilettennutzung damit nicht abgedeckt, und ein geeignetes Handwaschbecken sollte in Klassenzimmern (insbesondere in Grundschulen) unter den oben genannten Voraussetzungen der Standard sein. Gleichzeitig sollte das Händewaschen und die Händehygiene als wichtige Hygienemaßnahme wieder fest in den Lehrplan aufgenommen werden, um diese wichtige und einfache Kulturtechnik tief in dem Bewusstsein der Kinder verankern zu können.

C. Ilschner, J. Gebel, M. Exner

Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn
August 2013

Für die Beratung danken wir:
Dirk Esser, Unfallkasse NRW, Dr. Bertram Geisel, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg,
Dr. Britt Hornei, Köln, Dr. med. Ute Teichert-Barthel, Koblenz,  Dipl.-Phys. Thomas Wollstein VDI, Düsseldorf, Dr. med. Auguste Vogt, Stadtgesundheitsamt Nürnberg

Korrespondenz: carola.ilschner@ukb.uni-bonn.de


Literatur

1. Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Ausstattung von und mit Sanitärräumen – Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen. VDI 6000-Blatt 6.  Ausgabe 2006-11. Berlin: Beuth-Verlag.

2. Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV): Sanitäranlagen 2012. Planung, Ausführung und Bedienung von Sanitäranlagen in öffentlichen Gebäuden. Broschüre Nr. 113. Berlin 2012. www.amev-online.de

3. Umweltbundesamt (Hrsg.): Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden. Erarbeitet von der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes. Berlin, im August 2008. Internet: www.umweltbundesamt.de

4. Ministerium für Schule und Weiterbildung. 47463 Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht an allgemeinbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen (RISU-NRW). Runderlass vom 10.2.2007. – 523-6.08.01.19.

5. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (Hrsg.) Klasse(n) – Räume für Schulen. Empfehlungen für gesundheits- und lernfördernde Klassenzimmer. BG/GUV-SI 8094. Berlin, Ausgabe Januar 2012. Internet: www.dguv.de.

6. Niedersächsisches Landesgesundheitsamt: „Arbeitshilfe zur Erstellung des Hygieneplans für die Schule auf der Grundlage des § 36 Infektionsschutzgesetz“. Aktualisierte Fassung Juli 2011. www.nlga.niedersachsen.de

7. VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (Hrsg.). VDI/DVGW 6023: Hygiene in Trinkwasser-Installationen - Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung. Ausgabe April 2013. Berlin: Beuth-Verlag.

8. Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV). Arbeitsstättenverordnung vom 12. August 2004 (BGBl. I S. 2179), die zuletzt durch Artikel 4 der Verordnung vom 19. Juli 2010 (BGBl. I S. 960) geändert worden ist.

9. DIN 77400:2003-09. Reinigungsdienstleistungen – Schulgebäude – Anforderungen an die Reinigung. Ausgabe 2003-09. Berlin: Beuth-Verlag.

10. Landesgesundheitsamt Baden Württemberg und Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Hrsg.). Handbuch betriebliche Pandemieplanung. 2. Erweiterte und aktualisierte Auflage. (Anhang H6 – Hygienepläne). www.bbk.bund.de, www.gesundheitsamt-bw.de

Weiterführende Webseite

http://www.sichere-schule.de/ (Webseite der Unfallkasse NRW) Hier finden sich auch Empfehlungen für eine barrierefreie Gestaltung bei der Ausstattung mit Handwaschbecken in Unterrichtsräumen.