Hygiene-Tipps für den Alltag.

Informationen, Materialien,
Bücher und Arbeitsblätter.

Wissenschaftlicher Hintergrund des Projekts „Hygiene-Tipps für Kids“.

Dem Projekt „Hygiene-Tipps für Kids“ (initiiert im Jahr 2003) liegen folgende grundsätzliche Beobachtungen zugrunde:

1. Die Relevanz der Händehygiene als Maßnahme zur Infektionsprävention ist in der Fachwelt unbestritten. Insbesondere im medizinischen Bereich ist dazu eine Vielzahl an Publikationen erschienen. Die Bedeutung der Händehygiene im normalen Alltag wird dagegen eher wenig thematisiert. Dennoch steht außer Frage, dass dieser einfachen und effektiven Maßnahme zur Infektionsprävention im häuslichen bzw. im sozialen Umfeld mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

2. Trotz der Einsicht in die Effektivität der Händehygiene, ist die Compliance auch bei ausgebildetem Klinikpersonal teilweise mangelhaft. Die Gründe hierfür liegen u.a. in der Tatsache, dass Keime an den Händen vom Menschen im Normalfall nicht wahrgenommen werden können und damit auch kein offensichtlicher Handlungsbedarf entsteht. Dem kann durch eine Ritualisierung der Händehygiene entgegengewirkt werden. Im Erwachsenenalter ist es jedoch oft besonders schwierig, einmal erworbene Verhaltensweisen zu ändern. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Hygienebewusstsein und entsprechende Verhaltensnormen beim Menschen nicht angeboren sind. Der Grundstein dazu muss in der Kindheit gelegt werden. Je früher mit der Erziehung begonnen wird und je klarer die Regeln sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Routine auch später beibehalten wird.

3. Es ist durch entsprechende Studien in Kinderbetreuungseinrichtungen wissenschaftlich nachgewiesen, dass durch die Schulung von Lehrern, Erziehern oder anderen Autoritätspersonen, aber auch von Kindern die Häufigkeit der Infektionskrankheiten signifikant gesenkt werden kann.

4. In der Öffentlichkeit besteht eine Tendenz, selbst altbewährte Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen als schädlichen, da angeblich allergiefördernden und hautschädigenden Eingriff in die natürliche Abwehr zu bewerten. Es besteht ein erheblicher Aufklärungsbedarf über das Wie, Wann und Warum des richtigen Händewaschens.

5. Mit dem Händewaschen hängt eine Vielzahl von hygienerelevanten Verhaltensweisen zusammen. So kann das Interesse an und das Wissen über die Zusammenhänge zwischen der Entstehung und Vermeidung von Infektionskrankheiten gefördert und das soziale Verantwortungsgefühl im Hinblick auf übertragbare Krankheiten gestärkt werden. Nicht zuletzt kann durch entsprechende Aufklärung und Beeinflussung von Verhalten der Umgang mit den Sanitäreinrichtungen in Kindergärten und Schulen sowie die Toilettenhygiene verbessert werden.

Durchführung:
Die Autoren setzen gezielt bei der Hygieneerziehung im Vor- und Grundschulalter an. Kinder erreicht man am besten in ihrer direkten Umwelt, also in Familie, Kindergarten und Schule. Als besonders effektiv erweist sich die Verknüpfung von Bildung und Gesundheit. Dabei kommt es darauf an, alle zu involvieren, die bewusst oder unbewusst Gesundheitserziehung gestalten. Dazu gehören die Gesundheitsämter genauso wie Kinderärzte, Lehrer und Erzieher und natürlich die Eltern und ihre Kindern.

Projektverlauf:
Um die Nachhaltigkeit des Projekts zu stärken, nahmen die Initiatoren Kontakt zum Europäischen Zentrum für Umwelt und Gesundheit der WHO auf. Das Zentrum (Dr. G. Klein) unterstützt das Projekt nachdrücklich und übernahm die Schirmherrschaft. Die WHO hat mit ihrem Konzept der gesundheitsbewussten Schule bereits seit längerem Erfahrungen mit der Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen in der Schule gesammelt. Dem Kindergarten sollte eine ähnliche Schlüsselfunktion zukommen.

In einem weiteren Schritt wurden – im Sinne eines gemeindeorientierten Ansatzes – die Gesundheitsämter angesprochen. Der Landkreis Bad-Neuenahr/Ahrweiler (Gesundheitsamt und Jugendamt) führte ein Pilotprojekt „Händewaschen – na klar“ mit Kindergärten des Landkreises durch, das durch den Landrat und die Jugendstiftung der Kreissparkassen unterstützt wurde. Das Projekt wurde durch das Institut für Öffentliche Gesundheit und Hygiene der Universität begleitet. Es fanden Schulungen für Gesundheitsaufseher/Hygieneinspektoren und Erzieher statt.

Dieses „Modellprojekt“ wurde in anderen Städten und Gemeinden weitergeführt und ausgebaut und thematisch beispielsweise um Toilettenhygiene und allgemeine Körperhygiene erweitert. In Mecklenburg-Vorpommern lief unter Schirmherrschaft des Sozialministeriums ein Projekt, bei dem Infektraten und Fehlzeiten der Erzieher und Kinder vor und nach der Interventionsmaßnahme „Händewaschen“ erfasst und Verhaltensänderungen untersucht wurden (mehr Informationen zu den einzelnen Projekten auf dieser Webseite unter „Umsetzung vor Ort“).

Kooperationspartner ist der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienst, der Bundesverband der Hygieneinspektoren, der Verbund für Angewandte Hygiene und die Akademie für das Öffentliche Gesundheitswesen.

Mittlerweile ist Hygiene-Tipps für Kids an vielen Orten ein ständiges Angebot von Gesundheitsämtern, Kindertagestätten und Grundschulen.

Fernziel ist es weiterhin ein „Hygiene-Mobil“ einzurichten und an Kindergärten, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen (z.B. das Jugendamt) zu verleihen.

Literaturangaben finden Sie hier.

Stand der letzten Aktualisierung: 01.03.2019